Los Angeles, 1992: Junge Männer gehen mit Steinen bewaffnet auf Autos los. Schlagen Autoscheiben ein und versuchen die Insassen herauszuzerren. Menschen werden aus vorbeifahrenden Autos niedergeschossen. Ladenbesitzer werden ausgeraubt und erschlagen. Unbeteiligte werden unter ihrer eigenen Haustüre mit Brettern zu Tode geprügelt. Die Gewalt hat Überhand genommen. Schwarze Rauchsäulen steigen über Los Angeles auf. Es sind die schlimmsten Unruhen seit Langem. Es herrscht drei Tage lang Anarchie.
Kurze Zeit später tritt ein 2.04m grosser schwarzer Hüne, Cunnie Williams, im Studio vor das Mikrofon und ermahnt alle mit seiner eindrucksvollen Bassstimme:
«Los Angeles, nineteen-ninety-two
Do you now where your kids are?
Maybe there are on the streets.
Fight for that what they think is right.
Against a man of another color,
because they think he has what they need.
You have to realize: in darkness we are all the same.
Its just our knowledge that separates us.»
Aus dem Song: Do I Have To
Und dann singt er mit samtweicher Stimme weiter. Mit einer Stimme, die man von einer so respekteinlösenden Erscheinung wie ihm nie erwarten würde. Es singt von seinen Träumen, von einer Welt der Gleichheit und Gewaltlosigkeit, von Respekt und Liebe.
Er hat erkannt, dass es die Bildung ist, die die soziale Ungerechtigkeit ausmacht und folglich für die Unruhen verantwortlich ist. Und das hält er allen Menschen von LA vor die Nase, ohne für eine Seite Partei zu ergreifen oder jemanden zu verurteilen. Er verurteilt nur die Gewalt.
Man kann kann hinschauen wo man will. Überall, wo ein grosses soziales Gefälle herrscht, entstehen Spannungen. Es braucht dann nur einen Funken und die Lage eskaliert. Man braucht gar nicht so weit, und nicht so lange zurück, zu schauen. Man denke nur an Frankreich in 2023. Die Ursache für die soziale Ungerechtigkeit sind die Bildung und die Herkunft, beziehungsweise eben die Bildung, die gewisse Bevölkerungsschichten aufgrund ihrer Herkunft oder ihrer Mittel nie geniessen können. Sie werden nie den gleich guten Start ins Leben und die gleichen Möglichkeiten haben wie die finanziell Bessergestellten. Und das prangert Cunnie Williams an. Er träumt von «Equality», von Gleichberechtigung.
Cunnie Williams hat mit Comin' from the heart ghetto aus meiner Sicht (auch musikalisch) eines der herausragendsten Alben der 90er geschrieben. Leider fast unbemerkt von der breiten Öffentlichkeit. Jedes Lied auf diesem Album hat eine wichtige «Message» und er schafft es, die auch sehr positiv rüberzubringen. Ohne Spalterei, ohne Hass, ohne Verurteilungen. Eben weil er einfach von einer besseren Welt singt. Bedauerlicherweise ist Cunnie Williams Debütalbum nicht mal mehr auf den gängigen Streaming-Portalen verfügbar.
Und was hat dieser Beitrag jetzt mit Philosophie zu tun? Nichts. Manchmal darf man einfach von einer gerechteren Welt träumen. Und er ist meine Ehrerbietung an einen grossen Mann – mit grossem Herz und grossen Träumen – der leider im August 2024 für immer verstummt ist
«We all have dreams and visions. Think about it!»
Aus dem Song: I Have A Dream
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Zum Anhören:
«This is not a Rap song, this is just poetry with a tempo. Check it out!»
Aus dem Song: Comin' From The Heart Of The Ghetto

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Zum Nachdenken:
«I always thought I would be strong
If I made it through the pain
Well, I′m in and out of love
And it all hurts just the same, oh yeah
Love can really change your life
There's something magic in my world tonight»
Aus dem Song: Suddenly It's Magic
«The rhythm of the music has no color, just soul.
Just like the soul has no color, just feeling.
So let the music move you, not the color.»
Aus dem Song: What Is Black Music
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Zum Nachlesen:
Die Unruhen in Los Angeles von 1992
Die Unruhen in Frankreich von 2023